27 Januar, 2012

Irritiert oder Frustriert

Ich bin irritiert oder frustriert: Ich bin meinen Kollegen, die ich erst 10 Wochen kenne, zu introvertiert, sodass sie mir eine  fachliche Inkompetenz unterstellen, die ich sicherlich auch habe. Aber man stellt mich auf die Stufe von PJ-Studenten einerseits, andererseits fahre ich mit kreislaufinstabilen, beatmeten Patienten durchs Gelände, allein.

Das bedeutet im Klartext, entweder ich brülle und lache so laut wie meine andere Assistenzarztkollegin, sodass die ganze Station wackelt, oder ich schreie einfach mal hier und da meine Schwestern an oder trete gegen irgendwelche Türen und heule rum, oder ich muss mich weiterhin mit diesem Vorurteil "dumm zu sein":
1. ärgern- das wäre jetzt der richtige Ausdruck, aber das ist nur ein Anfangsgefühl
2. damit auseinandersetzten - wozu aber? Ich will keine Beliebtheitswettbewerbe gewinnen, sondern normal und still vor mich hinarbeiten und verstehen, was ich eigentlich mache.
3. es einfach dabei belassen.

Punkt 3 ist sinnvoll, aber es ärgert mich trotzdem, momentan.


Das war immer das Schöne am OP: man geht in seinen Saal, macht die Narkosen, arbeitet autark und nun muss ich "Autist" plötzlich mit Menschen reden, soll mich verstellen und meine Morgenmuffeligkeit verstecken? Nein, das geht nicht. Ich passe mich doch schon äußerlich an, ich trage immerhin diese dunkelblauen Kasacks, aber ich muss doch nicht jeden Mist mitmachen und schon gar nicht die Lautstärke ändern.

Es hat was von Kindergarten, irgendwie.

5 Kommentare:

Mary Malloy hat gesagt…

Hm, schwierig. Hört sich ein bisschen so an als waren die fachlichen Aufgaben und auch Grenzen noch nicht oder nicht gut abgesteckt.

Kunstfehler hat gesagt…

Das ist richtig.
Auf der einen Seite heißt es "Sie haben zu hohe Ansprüche" oder "Legen Sie die Bücher zur Seite, Sie blockieren sonst innerlich". Und auf der anderen Seite transportiert man dann Patienten von A nach B und schietert sich fast in die Hosen dabei und wenn man sein Bauchweh äußert, heißt es, "ruf einfach an, wenn was ist" oder "reanimieren und beatmen kannste doch". Halt recht widersprüchlich. Deswegen bin ich so verwirrt/irritiert. Und wenn ich das anspreche, kommen wir wieder zu Satz 2.

Bluhnah hat gesagt…

ach du kacke :-(
tut mir echt leid, dass du dich nicht wohl fühlst :-(
und nun? "firmenwechsel" geplant?
liebdrück!

thg hat gesagt…

Sowas dämliches aber auch! Und mal ne Kollegen-Ansprache halten und denen sagen, dass dir das auf'n Geist geht und dich in Bedrängnis bringt? Ärgerlich, das...

Kunstfehler hat gesagt…

Bluhnah: Nö, kein Firmenwechsel, die Überlegung stand ja letztes Jahr an, aber dann habe ich mich dafür entschieden, zu bleiben.
Ich werde denen schon zeigen, dass ich nicht blöd bin, aber nach meinem Tempo und in meiner "introvertierten" Art. :-P
thg: Sag ich was, heißt es "ich erwarte zu viel, ich soll meine Ansprüche runterschrauben..." :-)
Teufelskreis...