13 August, 2011

Mein (halber) Dienst

Bepackt mit meiner Sporttasche und viel Essen bin ich letzten Samstag zum Tagdienst angetreten. Normalerweise hätte ich einen kompletten 24 Stunden Dienst machen sollen, aber da ich krank und mein Oberarzt so lieb war (er nahm mir die 2. Hälfte vom Dienst ab), reichten auch die zwölf Stunden tagsüber. Ich hatte mir viel vorgenommen: Vortrag zuende schreiben, dafür habe ich immerhin drei Bücher mitgeschleppt, "Der Herr der Ringe" Teil 2 und 3 im Bereitschaftsdienstzimmer gucken und irgendwann mal einen Mittagsschlaf machen, den "Eintopftag" in der schlechtesten Caféteria östlich der Elbe testen, hier und da Kaffee trinken und mich davon wieder ausruhen. Ich fand meine Planung gar nicht mal so schlecht. Konnte ja keiner ahnen, dass die Gynnies, die ACHis und UCHis unbedingt, ganz wichtig wichtig am Samstag das OP-Programm ausfüllen wollten. Ganz gemeine, blöde Idee! Die hamse doch wohl nicht alle! Nun denn: fünf Programme gab es abzuarbeiten. Und dazu das verbale telefonistische  Betätscheln der gesamten Klinikschwestern, die immer mich anriefen und nicht den anderen diensthabenden Anästhesisten. Jedesmal habe ich gezittert, wenn im Telefondisplay etwas von Gyn oder "Oberarsch" (OA) Frauenklinik stand, hätte ja eine Notsectio sein können und darauf hatte ich überhaupt keine Lust. Um 17 Uhr war der Tag fürs Erste zuende und mein Anästhesiepfleger und ich fletzten uns gemütlich auf eine unserer vielen Parkbänke am Karpfenteich am Rande des Klinikgeländes. Der Karpfenteich ist total schön, ein Abbild des hiesigen berühmten Sees, drum herum baute unsere Klinik in den letzten zwei Jahren einen "Gesundheitspark", inklusive eines Rodelhügels, der als solcher sicherlich nicht ausgelegt war. Ja, der Karpfenteich war auch nicht als Swimmingpool für den hiesigen Ortsirren gedacht, ist es aber trotzdem. Unser Ortsirrer "Mario", weiß alles und kennt jeden, hat vor Jahren eine Sitzung der Geschäftführung mit den Worten "Ey Ihr blöden Wasserköppe, wie wär's, wenn Ihr mal sparen würdet?!" gesprengt. Gern steigt er auch mal in den schönen ADAC Hubschrauber und fliegt ein Stückchen mit. Wenn ich mittags zum Spätdienst übers Klinikgelände schlurfe, kommt er mir mit seinem Hamwazuzie entgegen und ich bin up-to-date, was den Tag betrifft "die ham wieda nen Pat. weggeflogen, der war schon halbtot, jing nach Berlin....." Wer ihn nicht kennt, würde sich bedroht fühlen. 
Das Ende meines Dienstes war ruhig, ich bekam einen leichten Sonnenbrand (im Gesicht) auf der Parkbank und konnte noch für die restlichen zwei Stunden meinen Vortrag ausarbeiten. Ich würde mal sagen, für die Feuertaufe: "Glück gehabt!"

Original-See, der Karpfenteich ist kleiner und etwa knietief...

5 Kommentare:

BJÖRNS-BRUTZELBUDE hat gesagt…

Ich mag Mario, genialer Typ!!!

Bluhnah hat gesagt…

hattest wenigstens einen soften einstieg sozusagen "wiedereingliederung" :-)
gute besserung weiterhin!

Kunstfehler hat gesagt…

Danke! :-)

Bluhnah hat gesagt…

schönes wochenende! bist wieder fit?

Bluhnah hat gesagt…

hallo? gibts dich noch???