18 Dezember, 2010

Weihnachtsweisheit No. 16 Hofweihnacht

In meiner Stadt steppt heute und morgen der Bär, der Hirsch, die Fasane und das Wildschwein von neulich sicherlich auch. Es ist Hofweihnacht im Havelland! Total schick. Bewaffnet mit meinen dicken Wintersachen bin ich mit einer Freundin in unsere Altstadt marschiert, praktisch, ich muss nur kurz durch den Innenhof, um mich mit Waffeln und Kinderpunsch voll zu dröhnen. Zum Kinderpunsch gab's noch ein Papierlaterne mit echter Kerze, das ist ein Relikt aus DDR-Zeiten, vermag ich zu behaupten, denn heute gibt's Laternen nur noch mit LED-Birnchen.

Eine Querstraße weiter wird gerade die alte Residenz von Friedrich dem II. saniert und schicke "Townhouses" daraus gebaut. 

Das Ganze heißt Hofweihnacht, weil in der Altstadt alte Höfe ihre Pforten öffnen und zum kulinarischen Stelldichein einladen, es gibt: Groß Britannien, Italien, Island, irgendwo auch die doofe U.S.A. (jetzt werde ich bestimmt gespamt). In Friedrichs alter Residenz kann man sich todesmutig in den Keller stürzen (die Gemäuer stinken wie Friedrichs Furze), es ist feucht und auch die fast offenen Stromleitungen wirken nicht vertrauenserweckend. Auch kleine Frauen stoßen sich hier den Kopf. Im isländischen Hof trifft man auf geräucherte Leber- und Knackwurst, daneben stehen zwei komische Trolle, die einen blöd zuzwinkern. Am Nachbarstand gibt es eine Truhe mit zwei Fächern. Fach eins ist für liebe Kinder, das enthält süße Bravo-Zeitung-Geschenke, auch ein Leckerli für die Miezekatze zuhause ist dabei. Das zweite Fach ist für die bösen Kinder und enthält gefrorene Kartoffeln. Wir haben schon überlegt, wie oft man wohl den Standbesitzer beleidigen oder den Troll bewerfen muss, um genügend Kartoffeln für ein Abendmahl zusammen zu bekommen. 

Zwischendurch aufwärmen in der Volksbank nebenan und dann ging's weiter, zum englischen Hof. Dort retteten wir uns vor der Kälte durch Springen zwischen zwei Heizpilzen (sind in Berlin wohl verboten).
Ins Seniorenheim wollten wir nicht gehen, vielleicht hätte man dort Erzeugnisse aus der Ergotherapie kaufen können. Allerdings waren die meisten Senioren eh in den Höfen unterwegs.

Noch schnell die dicken Schafe gestreichelt und ab nach Hause, schön kalt war es.

3 Kommentare:

Mary Malloy hat gesagt…

Das klingt doch mal nach einem schönen Ausflug und erinnert mich ein bisschen an unseren Mittelalterweihnachtsmarkt hier in Dresden!

BJÖRNS-BRUTZELBUDE hat gesagt…

:-) Fein! Hast du den auch was herzhaftes gegessen...oder nur Waffeln...ja die USA sind doof und deshalb werde ich vom Dödel Dieter gespamt....waren die richtige Schafe!?

Kunstfehler hat gesagt…

Jup, waren richtige Schafe.